Als hätten wir Gott 5 Brote und 2 Fische zur Verfügung gestellt und staunen, was er daraus macht – mit diesem vergleichbaren Gefühl lässt sich die Erfahrung mit der Ausstellungswoche zusammenfassen.
An drei Vormittagen durften wir insgesamt sechs Schulklassen von weiterführenden Schulen begrüßen, an den Nachmittagen trotz der Junihitze kleinere Grüppchen und immer mehr Einzelpersonen, die aufmerksam die Plakate lasen, sich von dem immer wieder gezeigten Zeitzeugenfilm berühren ließen und ihre Eindrücke im liebevoll und schön gestalteten „Raum der Begegnung“ verarbeiten konnten. Die Schicksale der Kinder und Jugendlichen im Holocaust ließen keinen Besucher unberührt.
Auch die Veranstaltungen waren durchweg gut besucht, viele Menschen aus VS und sogar von weiter her ließen sich einladen. Da war als erstes die Eröffnungsveranstaltung am Sonntag, den 14. Juni, am Nachmittag, die Reinhard Ziegler und sein Kollege Johannes Michel mit heiterer Klezmermusik bereicherten.
Die fröhlichen Klänge von Geige und Gitarre bildeten ein notwendiges Gegengewicht für das Thema, dem wir uns aussetzen wollten. Herr Oberbürgermeister Roth fand klare und ermutigende Worte, bevor Prof. Dr. Engelke vom Verein Pro Stolpersteine VS uns anhand von Fotos und lebendiger Schilderung uns mit hineinnahm in die Geschichte der jüdischen Kinder von VS. Ausgrenzung, Entrechtung und Deportation – sie geschahen nicht nur irgendwo, sondern kamen uns sehr nahe – mit vertrauten Straßen- und Vereinsnamen. Nadia Rieble teilte mit uns ein bewegendes Zeugnis der Geschichte ihres Großvaters, dessen Reise nach Eretz Israel vom heutigen Rumänien über ein KZ in der heutigen Ukraine nach Sibirien ging. Frank Clesle von Zedakah stellte uns schließlich das Pflegeheim für Holocaustüberlebende in Maalot in Nordisrael vor, für dessen notwendigen Erweiterungsbau alle Spenden während der Ausstellungswoche bestimmt waren.
Anschließend durften alle ein wirklich fantastisches Catering genießen, die Ausstellung anschauen und miteinander ins Gespräch kommen, was auch ausgiebig genutzt wurde.
Die Abendveranstaltungen führten uns tiefer ins Thema ein. Am Dienstagabend beleuchtete Markus Liebelt die Wurzeln des Antisemitismus in der Theologie in allen christlichen Kirchen durch die Jahrhunderte an vielen erschreckenden Beispielen mit ihren Folgen, blieb jedoch dabei nicht stehen, sondern zeigte Möglichkeit zum eigenen veränderten Denken und Handeln heute: nicht schweigen, sondern sich entschieden, hör- und sichtbar an die Seite der Juden stellen. Israelische Lieder mit Klarinette, Klavier und Gitarre von Udo Wegen, Josef Breuer und Andreas Moritz umrahmten den Vortrag. Am Mittwochabend nahm Jair Bayer von Zedakah uns mit in einen sehr ehrlichen persönlichen, auch unbequemen Vortrag über sein Erleben seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Die Lobpreisband mit Lea Strohm, Bianca Müller, Sebastian Grießhaber, Annette Schüle, Leonie Kailer und Frank Neu begeisterte die Zuhörer.
Der Donnerstagabend führte uns nach Schwenningen und zeigte am Beispiel der Vikarin Margarete Hoffer auf, wie ein Mensch dahin kommt, dass er bereit ist, sein eigenes Leben für verfolgte Juden zu wagen. Einfühlsam gespielte Musik auf dem Klavier und der Harfe von Annette Schüle half den Zuhörern, das Gehörte zu verarbeiten.
Ergänzt wurde das Thema durch einen sorgfältig zum Thema ausgesuchten Büchertisch, der sehr interessiert angenommen wurde. An jedem Abend erlebten wir, dass die Menschen noch gerne dablieben, zum lebendigen Austausch bei Getränken und Snacks.
Außerdem war einer unserer Gruppenräume liebevoll und ansprechend als Rückzugsort zur Besinnung, zum Gebet und zur Reflektion eingerichtet und mit ganz vielen kreativen Elementen gestaltet.
Auch die Jugend mit Lea Strohm hatte für den Samstagabend einen eigenen Besuchstermin reserviert.
Es war eine segensreiche erfüllte Woche, die nur durch das tolle Engagement vieler Gemeindemitglieder möglich gemacht wurde – ein herzliches Dankeschön an alle, die sich mit ganz viel Know-how, Tatkraft und Herz eingebracht haben, ob bei der Werbung, der Vorbereitung, in der Ausstellung, der Technik, am Beamer, bei der Bewirtung, Begrüßung oder im Putzdienst – und die, so Gott will, noch Kreise ziehen wird, in unserer Gemeinde und in unserer Stadt.
